Auf dem Schreibtisch stapeln sich die ungelesenen Papiere. Die Laune ist seit Wochen im Keller, und es fällt schwer, morgens aufzustehen. Das Gefühl "Ich bin völlig ausgebrannt" hat dem Phänomen seinen englischen Namen gegeben: Burnout. Vor allem Führungskräfte und Arbeitnehmer in sozialen Berufen gelten als klassische Burnout- Patienten. Treffen können die Beschwerden aber eigentlich jeden - sie sind allerdings nicht immer leicht einzuordnen.
Das Phänomen Burnout ist schwer zu fassen, und es ist nicht genau definiert. Viele Symptome können darunter fallen. Das Problem sei, dass unter dem Begriff Burnout sowohl eine Entwicklung als auch der Endzustand verstanden werden, sagt der Burnout - Experte Matthias Burisch von der Uni Hamburg. "Der Endzustand ist nicht mehr von einer Depression zu unterscheiden." Er sei gekennzeichnet durch Verzweiflung und Selbstmordgedanken.
Der Weg bis dahin ist jedoch lang -und mit vielen Warnhinweisen gepflastert: Burisch hat mehr als 130 Burnout - Symptome gezählt. Sie reichen von Hyperaktivität, Überdruss und Verlust von Idealismus bis hin zu Dienst nach Vorschrift, psychosomatischen Reaktionen und "existenzieller Verzweiflung".
Ein häufig im Zusammenhang mit dem Thema Burnout zu lesender Satz lautet: .Ausbrennen kann nur, wer auch (für eine Sache) gebrannt hat." Unterstützung findet diese These bei Management-Coach Bernhard Juchniewicz aus Düsseldorf, Präsident der European Coaching Association (EGA): "Sie können Burnout nicht bekommen, wenn sie reicht vorher eine Workaholic-Phase durchlebt haben." Meist treffe es daher die ehrgeizigen Karrieristen und die,, besonders sozial um einem neurotischen Ziel gerecht zu werden". Zur letzten Gruppe gehören häufig Lehrer.
Gleichgewicht finden
Matthias Burisch meint, den Ehrgeizigen und Engagierten, die er "Selbstverbrenner" nennt, können Psychologen helfen, aus ihrer selbstgezimmerten Falle zu entkommen, je früher, desto einfacher. "Wenn Sie zu viel Zeit brauchen, um sich wieder zu regenerieren, dann stimmt was im Beruf nicht", sagt Bernhard Juchniewicz. Der Coach rät die Lebensziele neu zu definieren: "Sie müssen lernen, welche Arbeit, welches Umfeld, welche Menschen Ihnen guttun." Es komme auf eine gleichgewichtige Verteilung von Arbeit und Freizeit an, neudeutsch formuliert: auf eine gute "Work-Life-Balance". "Sie haben mit Ihrer Lebensenergie liebevoll, sinnvoll und weise umzugehen. Da kommen Sie nicht dran vorbei, ob es Ihnen gefällt oder nicht."
"Gegengifte" formulieren
Matthias Burisch zufolge kommt es darauf an, die "kleinen Antreiber", die vielen Menschen in der Kindheit eingepflanzt wurden, zu entschärfen: Lebensregeln wie "Sei perfekt!", "Sei stark", "Streng Dich an", "Maches den anderen recht" und "Beeil Dich, trödel nicht!". Solche Sprüche sind langlebig: "Irgendeinen vondenenhat eigentlich jeder, der in den vergangenen 20 Jahren zu mir gekommen ist, mit sich herumgetragen." Burisch rät "Gegengifte" zu formulieren: Ich darf mir Zeit lassen. Ich darf Gefühle zeigen. Ich muss nicht alles perfekt machen, nur da wo es wichtig ist. "Bei E-Mails an Freunde muss ich die Orthografie nicht korrigieren", sagt Burisch. Zur Erinnerung sollten diese neuen Leitsätze sichtbar aufgehängt werden - als Wegweiser in eine neue Richtung: "Mit jedem Schritt vorwärts wird das Leben leichter."
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