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GOLDRUTE

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Solidago virgaurea L. - Wilde Goldrute, einheimische
Familie der Korbblütler - Asteraceae

Die Goldrute hat eine heidnische Vergangenheit. Bei unseren Vorfahren, den Germanen, stand sie als Heilkraut in hohem Ansehen, denn sie galt als bestes Wundkraut. Bevor es zu einer kriegerischen Auseinandersetzung kam, sammelte man schon vorsorglich Goldrutenkraut. Wie diese Pflanze eigentlich damals benannt wurde; wissen wir heute nicht mehr, doch die Vorliebe der alten Germanen für dieses Kraut hat sich im Gedächtnis der Kräuterheilkundigen der folgenden Jahrhunderte bewahrt, denn man nannte diese Pflanze " Heydnisch Wundkraut". Die Christianisierung dieses heidnischen Wundkrautes hat nicht so richtig geklappt, denn der Name St. Petrusstabkraut, der ihm in späterer Zeit verliehen wurde, hat sich kaum durchgesetzt. Die Anwendung der Goldrute als Wundheilmittel hat sich in der Volksheilkunde bis heute erhalten, auf dem Land bereitet man damals wie heute Umschläge, Auflagen und Wundtränke aus der frischen und getrockneten Pflanze. Manchmal nannte man sie auch "Heftkraut", denn sie kann die Wunden zusammenheften, oder auch "goldenes Wundkraut" wegen ihrer goldfarbenen Blüten. Hören wir dazu unseren Gewährsmann Tabernaemontanus, der 1731 in seinem ", Vollkommen Kräuter-Buch" schreibt: "Es hat diß Kraut nicht vergebens seinen Namen überkommen / daß es gülden Wundkraut heißt / sintemal es nicht allein zu äußerlichen / sondern auch zu den innerlichen Wunden ganz heilsam und nützlich zu gebrauchen ist / von wegen seiner truckenen und zusammenziehenden Krafft / so es an sich hat: Man kan aber das Kraut entweder allein / oder mit anderen Wundkräuter / als Sanickel / Wintergrün / Egelkraut / Braunellen / Maußöhrlein / Wegerich und dergleichen / in Wein oder Wasser nach Gelegenheit sieden / und davon trincken. " Im 16. Jahrhundert tauchte dann zum erstenmal der neue Name " Solidago" für das alte Heydnisch Wundkraut auf. Es war noch ein Sammelname für verschiedene Wundkräuter wie Sanikel, Wegerich, Mausöhrlein und bildete sich aus dem lateinischen solidare = zusammenfügen. Ein weiterer lateinischer Name war damals im Umlauf: Virga aurea = goldene Rute, denn die Goldrute hat eine lange . goldgelbe Blütenrispe. Hieronymus Bock beschwert sich über diese Namensvielfalt in seinem
Kräuterbuch 1577:
"Es werd nun getaufft wie es wolle / so ist es ein Edel Wundtkraut ".
Carl v. Linne, der vor 200 Jahren ein bis heute gültiges System der Namensgebung der Pflanzen aufstellte, übernahm das "Solidago" und fügte ihm " virga-aurea" als Artnamen in der Gattung hinzu. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich das Hauptanwendungsgebiet der Goldrute verlagert. In den alten Kräuterbüchern wird die Wirkung auf Nieren und Blase unter "ferner liefen" angeführt. Im vorigen Jahrhundert war es der deutsche Arzt Rademacher, der auf die große Bedeutung der Goldrute als Nierenheilmittel aufmerksam machte und so der Pflanze zu neuen Ehren verhalf.
In seiner Erfahrungsheillehre beschreibt er viele Fälle von Heilungen schwerer Nierenerkrankungen, die er mit der Goldrute heilen
konnte.
"Dieses Kraut ist ein gar altes und gutes Nierenmittel... Es ist ein Eigenmittel auf die Nieren, es bringt die erkrankten zum Normalstande zurück;... Ich habe die Goldruthe schon lange gebraucht und muß ihr viel Gutes nachsagen. " Johann Gottfried Bademacher, Erfahrungsheillehre, Bd. 1, S. 362. Nachdruck 1939, K. Rohm Verlag. Die moderne Naturheilkunde schätzt die Goldrute noch heute als eines ihrer besten Nierenheilmittel. Mehr darüber im heilkundlichen Teil. Rademacher hat schon darauf hingewiesen, daß der Goldrutentee, den man in den Apotheken kaufen kann, oft mit "unechten" Goldruten verfälscht wird und schrieb, daß er zur Behandlung seiner Patienten nur die "richtige" Goldrute verwendet.
Tatsächlich gibt es bei uns verschiedene Arten der Goldrute, und oft wird darauf hingewiesen, daß man für Heilzwecke nur die echte Goldrute, Solidago virga-aurea, gebrauchen sollte. Inzwischen scheiden sich in diesem Punkt die Geister; einige Autoren schreiben den "falschen" Goldruten die gleiche oder sogar noch größere Heilwirkung zu. Ich selbst halte mich für meine Tees und andere Nierenzubereitungen an die bewährte echte Goldrute, die anderen Arten ziehe ich in meinem Garten rein zur Augenweide. Doch, um nicht zu dieser allgemeinen Verwirrung beizutragen, will ich lieber die Goldrutenarten beschreiben, denn es ist wirklich nicht schwer, sie voneinander zu unterscheiden. Eine Verwechslung ist im übrigen auch nicht tragisch, denn keine davon ist giftig, und ich möchte den "falschen" Goldruten eine Heilwirkung nicht absprechen.
Die Goldrute ist eine Charakterpflanze des Hoch- und Spätsommers. In dieser Jahreszeit schmückt sie mit ihrem leuchtenden Gelb weithin sichtbar ihre Lieblingsstandorte: lichte, trockene Wälder, Waldränder, Dünen, Kahlschläge. Es ist, als konzentriere sich die ganze Sonnenkraft noch einmal in dem kräftigen Gelb dieser Pflanzen, bevor der vor der Tür stehende Spätherbst und Winter die kräftigen Farben verschwinden läßt. Ich erinnere mich an viele heiße Sommertage, an denen ich die gelben Goldrutensträuße pflückte. Überall findet die Goldrute ihren Ansprüchen genügende Verhältnisse. Oft entdeckt man sie auf Ödland, an Bahndämmen und Böschungen, wo sie mit ihren feinen Wurzelfasern den Boden vor Abschwemmung schützen kann. Aus derknotigen, mit vielen Seitenwurzeln versehenen Wurzel erhebt die echte Goldrute, Solidago virga-aurea, ihren 20-30 cm hohenStengel. Manchmal wird er auch bis zu einem Meter hoch. Wir sollten ihn uns genau anschauen beziehungsweise anfassen, denn, er ist ein gutes Unterscheidungsmerkmal. Er fühlt sich fest, fein und gerinnt an. Er ist entweder spärlich behaart oder auch ganz kahl. An ihm sitzen in wechselständiger Ordnung die elliptisch und lanzettlich geformten Blätter; sie sind gezähnt und tragen einen geflügelten Stiel. Die oberen sind deutlich schmaler. Weiter oben erst verzweigt sich der Stengel, und hier sitzen die vielen goldgelben Blüten und bilden eine lange, zusammengesetzte Traube.. Die Blüten entwickeln sich von unten nach oben am Stengel. Schauen wir in die gelben Blütenkörbchen, erkennen wir, daß sie aus verschiedenen Blütenformen zusammengesetzt sind, in ihrem Aufbau ähneln sie der Arnikablüte, die wir ja schön näher kennengelernt haben. Die langen, zungenförmigen Blütenblätter am Rand sind alle weiblich, sie umgeben eine Schar fünfzipfliger Zwitterblüten, die ihre Staubbeutel, zu einer Röhre verschweißt, weit nach oben strecken. Mit ganz feinen Haaren (wer eine Lupe dabei hat, sollte sie jetzt einmal herauskramen) bürstet der Griffel die Pollen heraus. Später spreizen sich die Nebenäste, da sie nur auf der Innenseite von Pollen befruchtet werden können. Die Blüten duften angenehm süß und aromatisch. Dieses duftige Versprechen hält der Tee aus der Goldrute allerdings nicht, denn er schmeckt reichlich bitter und streng. Aber die zahlreichen Gäste der Blüten - Bienen, Schmetterlinge und auch ganz "einfache" Fliegen - finden am Grund der Blüten süßen Nektar. Wenn der Herbst und erst recht der Sommer endgültig dahin sind, haben sich die goldenen Blüten der Goldrute in einen weißlich-grauen feinen Haarpelz verwandelt. Nach dem Verblühen ist aus jeder Blüte eine buschige Haarkrone gewachsen, Pappus genannt, Flugkörper, die wie Fallschirme die kleinen Früchte der Goldrute mit dem Wind weit forttragen. Noch lange bis in den Winter stehen die verblühten Goldruten, ihre Stengel knickt erst spät der Schnee. Für die alten Germanen war noch Goldrute gleich Goldrute; und damit war jene eben beschriebene Art gemeint. Erst im letzten Jahrhundert wurden einige weitere Arten aus Nordamerika eingeschleppt. Das ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck für den freundlichen Akt einiger Blumenliebhaber, die drüben in Amerika und Kanada an den stattlichen Coldrutenarten Gefallen gefunden haben und sie mit herübergebracht haben, um sie hier als Zierpflanzen in die Gärten zu setzen. Doch sicher hat so mancher dann festgestellt, daß sein Mitbringsel in seinem Garten ganz schrecklich zu wuchern begann und hat sie wieder hinausgeworfen. Den Samen der Pflanzen in den Gärten hat der Wind weit über das für die neuen Goldruten noch zu erschließende Land getragen, und so sind die mitgebrachten Goldrutenarten verwildert und haben mittlerweile ganz Mitteleuropa erobert.
Die hohe Goldrute, die man ganz beeindruckt " Solidago gigantea" nannte, wird bis zu 1,5 Meter hoch. Ihr Stengel ist in jedem Falle ganz kahl und trägt auffallend spitze Blätter. Oben teilt sich der Stengel in viele Blütenrispen, was ihn viel buschiger erscheinen läßt als den der einheimischen Goldrute. Die Rispen tragen viel mehr Blüten, sind jedoch kleiner. Sie wird auch " Späte Goldrute" genannt, denn sie blüht erst im August, gut einen Monat später als die einheimische Goldrute. Noch höher kann die kanadische Goldrute werden, " Solidago canadensis". Es gibt von ihr Exemplare, die bis zu zwei Meter hoch werden. Ihr fester, aufrechter Stengel ist von oben bis unten behaart und teilt sich wie die hohe Goldrute an seinem oberen Ende in viele abstehende Blütenrispen. Die Blüten sind zwar zahlreicher, aber viel kleiner als bei der einheimischen Goldrute. Wenn wir genau hinschauen, erkennen wir noch einen weiteren Unterschied der Blüten: die Zungenblüten der einheimischen Goldrute sind deutlich länger als die Hüllblätter bei der kanadischen Goldrute.
Im Ursprungsland der "eingereisten" Goldruten, in Amerika und in Kanada, haben die Indianer diese Pflanzen zur Heilung verschiedenster Krankheiten gebraucht. Die zerstampften Blüten und Blätter legten sie bei Stichen von verschiedenen Insekten auf. Goldruten waren auch ein Bestandteil alter Heilmittelzubereitungen zur Behandlung von Klapperschlangenbissen. Die Zuni-Indianer kauten die Blüten bei Halsentzündungen.
Eine besonders stark duftende Art, Solidago odorata, wird in Amerika seit langem als anregendes und schweißtreibendes Mittel gebraucht. Ich finde, die " neuen" Goldruten sind eine schöne Bereicherung unserer einheimischen Flora. Ich habe allerdings keinen Heuschnupfen; denn viele, die unter dieser Krankheit leiden, werden von den großen Goldruten nicht mehr so begeistert sein, wenn sie erfahren, daß deren Pollen eine Hauptursache des Heuschnupfens sind.
Die größte Heilkraft besitzt jedoch die echte Goldrute (Solidago virgaurea). Sie ist im Handel kaum noch erhältlich. Als Austauschpflanzen werden meist die anderen Arten angeboten. Wer einen Garten besitzt und an der Nierenwirkung dieser Pflanze interessiert ist, sollte diese Pflanze im Garten kultivieren.

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