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GROSSE KLETTE

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Arctium lappa L. (Bardana)
Familie der Korbblütler - Compositae

"Die grosse Klette hat ein Wurtzel / welche schlecht / lang / auswendig schwartz / und innwendig weiß / eines bitteren Geschmacks: Dessen Stengel rund / hol / weiß / mit Pupurroth vermischet / mit vielen Nebenzweiglein / und kleinen spitzigen schmalen Blättlein besetzt. Die Blätter seyn breit und lang / schwartzgrün / an der Seiten gegen der Erden äscenfarb / gegen dem Heumonat erscheinen die grüne runde Frucht oder Klettenknöpffe / mit vielen gebogenen Häcklein / damit sie sich an die Kleider hefften: Diese sind erstlich grün / darnach blühen isie gar schön liechtbraunroth / als die gemeinen Disteln. Der Saamen ist lang und graufarb. Zwischen den Blättern und Zweiglein /.wachsen die lange stachelechte Kletten / fast ,wie ein Ygelsköpfflein anzusehen."
Diese schöne Beschreibung der Klette stammt aus dem Kräuterbuch des Tabernaemontanus. Ja, an diese stacheligen Klettenköpfchen können wir uns alle gut erinnern, wir kennen sie noch aus unserer Kindheit.
Die großen runden Blütenköpfe bleiben so herrlich an den Kleidern heften, und wenn sie erst in die Haare kommen... Kinder lieben Kletten! Ich habe sie mir damals nicht so genau angeschaut, ich erinnere mich hauptsächlich an die oben genannte Wirkung. Jetzt liegen einige der dicken Blütenköpfe auf meinem Tisch, ich kann sie genau studieren. Und jetzt verstehe ich, warum sie sich schier unlösbar in Kleider und Haare krallen: die Blüten sitzen in einem steifen Pelz aus hakig-gekrümmten Stacheln. Bei einigen blinzeln schon ganz schüchtern purpurrosafarbene Blütenblätter über den wehrhaften Wall aus Hakenspeeren. Diese grob-zottigen, haarigen Blütenkugeln haben der Klette ihren lateinischen Namen "Arctium" verliehen. Sie haben die Menschen an einen zottigen Bären erinnert, denn der Name leitet sich vom griechischen arcos = der Bär ab. Alle mit Bärennamen belegten Pflanzen strahlen eine etwas grobe, aber starke Vitalität aus, so auch unsere Große Klette, die sich bis zu 2 m hoch über dem Boden erhebt. Sie hat etwas Bärenhaftes in ihrer Erscheinung. Um einen kräftigen Stamm reihen sich riesige lappige Blätter (ich finde, sie fühlen sich wie Elefantenohren an). Der ältere Name " bardana" bezieht sich auf diese Blätter. Er soll sich von dem italienischen Wort barda = die Pferdedecke ableiten. Die Klettenblätter sind eben (fast) so groß wie Pferdedecken, auch die Form würde gut passen. Die Klette trägt etwas Dunkles in ihrer Erscheinung. Dem Grün der Blätter scheint ein Schuß Schwarz zugemischt zu sein'. Dies hat ihr einige Wolfsnamen eingebracht wie Wolfskraut oder Wolfsmann. Für unsere germanischen Vorfahren war der Wolf der Inbegriff der dunklen Mächte.
In der Astrologie entersteht die Klette deshalb dem Saturn und dem Pluto, den Planeten, die die dunklen Kräfte regieren.
Die Klette meistert diese Kräfte, sie gewinnt aus ihnen ihre große Vitalität und schafft es, rosaviolette Blütenblätter zu zaubern.
Die alten Heilkundigen haben darin ein Zeichen gesehen für die große Heilkraft der Klette. Eine Pflanze, die das Dunkle meistert und in neue Vitalität verwandelt, kann auch im Menschen dunkle Säfte und Giftstoffe in den Griff bekommen. So wurde die Klette schon seit dem Altertum zur Behandlung der sogenannten Dyskrasie, der fehlerhaften Blut- und Säftemischung, dem Zuviel an Giftstoffen verwendet.
In den stacheligen Samenhüllen entstehen zum Herbst hin kleine Samenkörnchen. Sie sind sehr fettreich, und man hat früher in Notzeiten Öl aus ihnen hergestellt. Dieses Öl ist auch ein sehr gutes Stärkungsmittel für die Haare. Die Samen hat man früher als Pflanzenorakel benutzt. Hören wir dazu noch einmal Tabernaemontanus:
"Es meldet Tragus, daß er gemeiniglich aus jeder Kletten zwey schwartzer Haberkörnlein im Herbst gefunden / daß etliche Naturkündiger ihre observation haben / wann im Herbst obgenannte Kletten zeitig auffgethan werden / finden sie in einer jeden Kletten zwey Gerstenkörner verschlossen / welches soll ein fruchtbar vollkommen Jahr bedeuten. Wo aber zwei spitzige Haberkörnlein gefunden / halten sie das Gegentheil / nemlich ein künfftige Theuerung aller Früchte."
Den Gegenpol zu den Blüten und Samen am oberen Ende der Großen Klette bildet die kräftige Pfahlwurzel. Bis zu einem Meter tief bohrt sie sich in die Erde. Sie speichert Mineralien, Inulin, Stärke und viele andere Heilstoffe in ihrem Gewebe. Wer Klettenwurzeln stechen will, braucht einen guten Spaten, ein kleines Gartenschäufelchen ist der Kraft der Wurzel nicht gewachsen. Gestochen wird die Wurzel der zweijährigen Pflanze, am besten im Frühjahr.
Zur Ausbildung der gewaltigen Erscheinung über und unter der Erde braucht die Klette nährstoffreichen Boden. Sie liebt Ammoniak und stellt sich deshalb gerne in die Nähe von Misthaufen. Wir finden sie aber auch an Schuttplätzen, entlang Wegrändern und an Zäunen. Sie sucht die Gesellschaft des Menschen und siedelt sich gerne in seiner Nähe an. Hier steht sie wie ein plumper Bär und bietet uns ihre Heilkräfte an.
Denn im Frühjahr entspringen die ersten Stengelblätter aus der Wurzel. An ihrer Ansatzstelle aus der Wurzel sind sie pupurfarben in wunderschönem Kontrast zu den silbrigen jungen Blättern. Die fleischige Wurzel ist innen weißlich, außen graubraun und meist spindelig gedreht, was man besonders bei der getrockneten Wurzel erkennen kann.
Nach dem Ausgraben der Wurzel das Loch wieder mit Erde füllen und darin ein Wurzelstück der ausgegrabenen Wurzel pflanzen.

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