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HUFLATTICH

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Arnica montana L.
Familie der Korbblütler - Asteraceae (Compositae)

Ganz zeitig im Jahr, wenn der Winter erst ein paar Fleckchen dem nahenden Frühjahr überlassen hat, schiebt eine kleine Pflanze eilig ihre schuppigen Hälse aus der Erde und setzt sonnengelbe, kreisrunde Blüten darauf. Man kann jetzt kaum daran vorübergehen, ohne in diese fröhlichen Blütensonnen zu schauen.
Meinen ersten Huflattich habe ich dieses Jahr schon im Februar entdeckt und den Tag mit einer kleinen Sonne in meinem Kalender vermerkt. Aber trotzdem mußte ich noch lange warten, bis der Frühling in den Allgäuer Bergen Einzug hielt. Ende März fand ich dann eine ganze Schar der leuchtenden Blumen in einem sonnigen Steinbruch.
An steinigen, sonnigen Plätzen entfaltet der Huflattich im Frühjahr seine Blüten. Er ist eine Charakterpflanze für Ton-Lehm-Tonmergel und Kalkboden. Nach Madaus ist der Huflattich die einzige Pflanze, die sogar auf reiner Braunkohfe wachsen kann. Er strahlt so viel Licht und Optimismus aus, daß ihm dieses Kunststück sicher gelingt. Bleiben wir noch etwas bei der Beziehung des Huflattichs zur Bodenbeschaffenheit: Er wird zu den bodenanzeigenden Leitpflanzen gezählt. Wer diese Pflanzen kennt, kann durch sie Schlüsse auf den Zustand des Bodens ziehen.

Kalkliebende "Unkräuter", also säuremeidende Pflanzen sind Huflattich, Rittersporn (Delhinium consolida), Klette (Arctium lappa), Steinklee (Melilotus officinalis), Storch-. schnabel (Geranium robertianum), Ackerhellerkraut (Thlaspi arvense), Kleine Wolfsmilch (Euphorbia exigua). Kalkmeidende, säureanzeigende Pflanzen sind Sauerampfer (Rumex alpinus), Knöterich (Polygonum aviculare), Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense), Ehrenpreis (Veronica officinalis), Hahnenfuß (Ranunculus arvensis), Hohlzahn (Galeopsis tetrahit), Heidelbeere (Vaccinium myrtillus), Wollgras (Eriophorum scheuchzeri), Maiglöckchen (Convallaria majalis).
Wie die Brennessel auf eisenhaltigen Böden einen hohen Eisengehalt in ihren Blättern aufweist, so hat der Huflattich auf zinkhaltigen Böden besonders viel Zink aufgenommen. Er enthält einen sehr hohen Anteil an verschiedenen Mineralien; die man für die spezifische Heilwirkung des Huflattichs verantwortlich macht. Auffallend ist der hohe Gehalt an Salpeter in der Asche der verbrannten Pflanze. Nach der Aschenanalyse von Straßer enthält die Huflattichasche in Prozenten: Kalium 28,23, Natrium 2,36, Kalzium 21,10, Magnesium 8,86, Eisen 1,02, Phosphor 4,44, .Schwefel 26,55, Kieselsäure 7,82.
Früher gab es in den Apotheken sogenanntes " Salpeterpapier" Charta nitrata, zu kaufen, ein mit Kalisalpeterlösung getränktes Filterpapier. Asthmaleidende oder an Bronchitis und schwerem Husten Erkrankte zündeten sich dieses Papier an, um die entstehenden Dämpfe einzuatmen. Die Salpeterdämpfe senken die Krampfbereitschaft, helfen den Schleim abzuhusten, regen die Schleimhäute zur Ausscheidung an. Der Pharmakologe Hugo Schulz hat den alten Brauch, Huflattichblätter bei Asthma und Bronchitis zu rauchen, an sich selbst ausprobiert und genau beschrieben. Er konnte die gleichen Symptome feststellen, die auch beim Einatmen der Salpeterpapierdämpfe auftreten: die Schleimhaut des harten Gaumens wird schlüpfrig, der Auswurf des festsitzenden Schleims in den Bronchien angeregt. So scheint der hohe Gehalt an Salpeter den Huflattich zu einer so bekannten Hustenpflanze gemacht zu haben. Schon die Hippokratiker gebrauchten ihn als Hustenmittel. Damals wurde er "bechion" genannt. Dioskurides, Plinius und Galenus empfahlen zu ihrer Zeit den Rauch der angezündeten Blätter zur Anwendung bei Husten und Schweratmigkeit. Plinius (1 Jh. n. Chr.) gibt uns sogar dafür genauere Anweisungen: Bei veraltetem Husten sollen wir Huflattichwurzeln auf glühende Zypressenkohlen legen und den entstehenden Rauch durch einen Trichter einatmen. Auch der lateinische Name des Huflattichs rühmt diese spezifischen Heilkräfte. Er leitet sich ab vom lateinischen tussis = Husten und agere = vertreiben.
Der Huflattich kommt also gerade zur rechten Zeit, um uns von einem Husten am Ende des Winters zu heilen. Doch setzen wir unsere botanischen Studien im Steinbruch fort, um noch mehr über den sonnigen Hustenvertreiber zu erfahren. Dort drängen sich dicht an dicht die nach Honig duftenden gelben Blüten. Dieses massenhafte Auftreten der Pflanze erklärt sich aus dem weitverzweigten kriechenden Wurzelsystem. Von der Grundachse zweigen Ausläufer von oft bis zu zwei Metern Länge ab. Aus ihnen bilden sich kleine Knospenköpfchen. Zudem keimen die Samen des Huflattichs schnell und leicht. Die Samen brauchen zu ihrer Keimung das Licht, und dieser Vorgang wird durch ein spezielles Pigmentsystem gesteuert. Dicht beieinandergedrängt warten die rotvioletten Knospenköpfchen unter dem Schnee auf die erlösende Sonne. Wenn es dann soweit ist, öffnen und strecken sie sich zu einem ca. 15 cm hohen Blütensproß. Er wirkt etwas plump mit seinen vielen violett glänzenden und wie von Spinnweben überzogenen Schuppen. Die Knöpfchen an den Enden der Blütensprosse öffnen sich bei Sonne zu den schönen Blüten, noch lange bevor sich die Blätter der Pflanze entwickelt haben. "Filius ante patrdm", so nannte man im Mittelalter den Huflattich, "der Sohn vor dem Vater", und meinte damit die besondere Eigenart des Huflattichs, zu blühen, lange bevor die Blätter nachkommen. Die verblühten kleinen Sonnen senken sich wieder zur Erde, ihr Stiel beginnt zu wachsen und die erloschenen Blüten richten sich noch einmal auf und zeigen sich in neuem Kleid. Jetzt ähneln sie etwas den verblühten Löwenzahnblumen, zusammengesetzt aus vielen kleinen weißlichen Haaren, die wie Fallschirme die Früchte tragen. Erst wenn sich die Samen langsam dem Wind hingeben, um sich an neue Plätze forttragen zu lassen, regt es sich in den Laubknospen: Spitz zusammengerollt strecken sie sich zum Licht hin und entrollen sich am Ende ihrer Stengel zum typischen Huflattichblatt. Und jetzt verstehen wir den deutschen Namen der Pflanze, denn die Blätter haben wirklich Hufeisenform. Das "Lattich" hat sich aus dem mittellateinischen "lapatica" gebildet, das verschiedene,großblättrige Pflanzen wie Klette, Ampfer usw. bezeichnete. Die gezähnten hufeisenförmigen Blätter wachsen zum Sommer hin zu einer Größe von etwa 15 cm Länge und 20 cm Breite heran. Im Frühjahr fühlen sie sich noch ganz weich an, denn beide Seiten sind von einem dicken weißlichen Haarfilz überzogen. Das lateinische " farfara" nimmt darauf Bezug: farina = Mehl. Im Sommer werden die Blätter immer fester, der Filz auf der Oberseite verschwindet, im Spätsommer wird auch die Unterseite etwas dunkler.
Der Huflattich hat eine nahe Verwandte, die Pestwurz. Die Blätter beider Pflanzen werden oft verwechselt. Auch die Pestwurz bildet zuerst die Blüten vor den Blättern. Obwohl beide zur Familie der Korbblütler gehören, hat die Pestwurz ganz andere Blüten. An einer walzenförmigen Traube sitzen viele rosa bis hellviolette Blüten. Die darauffolgenden Blätter sind wie beim Huflattich gestielt, herzförmig, mit gezähntem Rand und an der Unterseite weißlich behaart. Die Blätter der Pestwurz sind nicht so scharf gesägt wie die des Huflattichs, sie wirken runder. Sind sie einmal etwas herangewachsen, besteht kein Zweifel mehr. Sie haben sich zu den größten Blättern unserer Heimat entwickelt mit einem Durchmesser von ca. 60 cm.
Eine Verwechslung wäre übrigens nicht sehr schlimm, die Pestwurz ist nicht giftig und hat etwa die gleichen Heilwirkungen wie der Huflattich.

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