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SCHLÜSSELBLUME

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Primula elatior (L.) Hill. - Hohe Schlüsselblume
Primula veris - echte duftende Schlüsselblume
Familie der Primelgewächse - Primulaceae

Es ist noch kalt. Morgens sind alle Wiesen von Rauhreif überzogen. Am Nordhang hängt eine dicke Decke aus hartem Schnee. Die schweigende Zurückgezogenheit des Winters liegt noch über der Natur. Alles wartet darauf, daß das strenge Weiß von bunten

Farben erlöst wird. Und wenn ich jetzt die Augen schließe, sehe ich wieder das warme Gelb der Schlüsselblumen, die ich gestern auf einer sonnigen Wiese entdeckt habe.
Über allen Frühlingsblumen scheint ein ganz besonderer Zauber zu liegen. Sie sind die Pflanzen der Freude und der Begeisterung, die mit ihren zarten Farben die Schwere des Winters vergessen lassen. Das Himmelblau der Leberblümchen, das kräftige Sonnengelb des Huflattichs und das lichte Gelb der Schlüsselblume schließen den bunten Farbkasten der Blumen des kommenden Jahres auf. Manche Frühjahrspflanzen, wie z. B. der Bärlauch und die Brennessel, reinigen den Körper von Schlackenstoffen, die sich während des Winters angesammelt haben. Aber die gute Fee des Frühlings hat uns auch Helfer geschickt, um unser Gemüt zu reinigen, es von schweren, trübsinnigen Gedanken zu befreien und es zu durchlichten. Zu diesen Pflanzen gehört die Schlüsselblume, über deren leichte Sonnigkeit ich mich gestern so gefreut habe.
Die Druiden wußten von diesen Seelenkräften der Schlüsselblume und brauten aus ihrem Saft zusammen mit fünf weiteren Pflanzen und Honig den "Trank der Begeisterung". Neun Priesterinnen weihten ihn, indem sie ihm ihren Atem einhauchten. In diesem Getränk war all die begeisternde und aufmunternde Kraft der Schlüsselblume eingefangen. Noch lange nach diesen Zeiten waren die Kräfte der Schlüsselblume bekannt. Auch Hildegard von Bingen, die Äbtissin des 12. Jahrhunderts, in deren Schriften sich noch viel vorchristliches Wissen erhalten hat, schreibt darüber in ihrer "Naturkunde":
"Der Himmelschlüssel ist warm und hat alle seine Kraft von der Sonne, bei Melancholie und Wahnvorstellungen soll die Pflanze auf das Herz gebunden werden."
Die Schlüsselblume galt seit jeher als eine Pflanze, die besonders mit der weiblichen Kraft verbunden ist. Sie ist eine echte Venus-Sonnenpflanze, zart und süß duftend, in weich-gelbe Farbe getaucht. Früher war es Freja, die germanische Erdgöttin, der die Schlüsselblume geweiht war. Sie trug in ihrer Krone einen kleinen Schlüssel, mit dem sie die Herzen der Menschen aufschließen konnte. Später wurde die Schlüsselblume Maria in die Hände gelegt, sie erhielt den Namen "Marias Himmelschlüssel", und mit ihr, so glaubte man, öffnet sie die Pforten des Himmels.
Der Schlüsselblume aus Frejas Zaubergarten wurden so viele Kräfte zugesprochen, daß sich bis in unsere Zeit hinein Märchen und Sagen darüber erhalten haben. Ursprünglich war es die. Göttin, die mit ihrem goldenen Schlüssel, den die Schlüsselblume versinnbildlichte, die Menschen öffnen konnte, um sie für das neue Jahr bereit zu machen. Auch die Erde, so hieß es, wird von ihr geöffnet, die schlafenden Naturkräfte werden geweckt. In den späteren Märchen waren es dann Feen und Waldfräulein, die manchen Menschen einen goldenen Schlüssel schenkten, mit dem man geheime Türen öffnen konnte, hinter denen sich riesige Schätze verbargen. So mancher Hirte oder Wanderer, der von einer Fee den goldenen Schlüsselblumenschlüssel geschenkt bekommen hatte, ließ im Goldrausch der unterirdischen Schatzkammer die ZauberSchlüsselblume dann doch liegen, obwohl ihn die Fee gewarnt hatte, das Beste nicht zu vergessen. So sehr er sich auch ärgerte, die Tür blieb für ihn für immer verschlossen, denn der Zauberschlüssel lag in der Schatzkammer.
Die Schlüsselblume war als Sonnenpflanze des Frühjahrseng mit einem der vorchristlichen Sonnenfeste des Jahreskreislaufes verbunden. Alljährlich um die Osterzeit feierte man das Fest der im Osten aufsteigenden Sonne, der weiblichen Göttin Ostara. Sie versinnbildlichte die neuerwachte lebensspendende Kraft der Sonne. Eier wurden geweiht, symbolisch für das in der Erde verschlossene Leben, das jetzt wieder aufbrechen würde, und man aß runde Brotfladen als Symbole der Sonne. Brennende Räder, die die Berge hinabrollten, symbolisierten die leuchtenden Bahnen der Sonne durch die dunkle Nacht des sterbenden Winters. Und die Altäre der Ostara wurden mit ihren Lieblingsblumen, den sonnenfarbenen Schlüsselblumen geschmückt.
Die Freude, die wir heute noch beim Anblick der ersten Schlüsselblumen empfinden, ist ein Teil dieser alten Sonnenfeste, der in uns weiterlebt - die Freude über das neu erwachte Leben nach der Winterstarre. Und vielleicht ist der Zauber, der über den Frühlingsblumen liegt, noch ein Stück Schleier der alten Sonnengöttin Ostara.
Schlüsselblumenland
Ach, die Wiesen! Seht die Wiesen! Seht, die Wiesen werden wieder grün Und die gelben Schlüsselblumen blühn!
Der Teich glänzt schwarz und unbewegt und klar. Die Weide steht im Flatterhaar. Am Himmel segelt, selig leise, Schnelle Reise,
Eine weiße Wolkenschar.
Zwischen Knospen in den Zweigen Des Holunders singt die Meise. Wandelnd auf den feuchten Steigen Junge Männer, mit dem
Hute in der Hand, Und durch Mädchenzöpfe flicht sich manch ein rot und blaues Band. Wolken gehen, und die Mädchenkleider
wehen Schattenwerfend übers Schlüsselblumenland

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