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Helfen und heilen
Medizin gegen Rückenschmerzen

Rückenschmerzen gehören zu den führenden Gesundheitsproblemen in Deutschland, dies belegen mehrere Studien in den vergangenen Jahren. Bewegungsmangel, Fehlbelastungen der Wirbelsäule, seelische Konflikte oder beruflicher Stress können Rückenschmerzen verursachen.

Aktiv gegen Rückenschmerzen
"Der erfolgreichste Weg Rückenschmerzen zu verhindern ist, aktiv zu sein", rät Helga Freyer, Krankengymnastin aus Wittelsberg. "Mehr Bewegung in den Alltag zu bringen ist gar nicht so schwer. Man muss es nur tun". Als Strategie empfiehlt die Physiotherapeutin den täglichen Sitzmarathon daraufhin zu überprüfen, wann Bewegung aus Bequemlichkeit vermieden wird. Wer lange nicht aktiv war, sollte sportliche Aktivitäten allerdings mit Bedacht beginnen. "Bei vielen Menschen ist über die Jahre das eigene Körpergefühl verloren gegangen. Dadurch haben sich oft falsche Bewegungsmuster eingeschlichen", hat Freyer beobachtet. Deshalb sollten Bewegungs- und Muskeltraining zunächst unter fachlicher Anleitung geschult werden.

Mit Wärme und Pflanzenkraft erfolgreich behandeln
Noch nicht durchgesetzt hat sich übrigens die Erkenntnis, dass 80 Prozent aller Rückenschmerzen harmlos sind und meist nach ein paar Tagen von allein verschwinden. Mit oder ohne Arzt. Kurzzeitig auftretende Beschwerden können durch Eigeninitiative oft schnell gelindert werden. "Wärmeanwendungen zum Beispiel fördern die Durchblutung und entspannen schmerzhaft verkrampfte Muskulatur", sagt Apotheker Dr. Peter Stein aus Köln. Auch pflanzliche Wirkstoffe wie Capsaicin oder Extrakte der Weidenrinde verringern die Beschwerden, und sind nach Ansicht des Apothekers zu empfehlen.

Warnzeichen nicht ignorieren
Bessern sich die Rückenschmerzen nach ein paar Tagen nicht, werden sie sogar schlimmer oder kommt Fieber hinzu, sollte der Arztbesuch nicht hinausgezögert werden. "Wer zu lange wartet und die Warnzeichen ignoriert, riskiert gesundheitliche Schäden", gibt Dr. Jan-Peter Jansen vom Schmerzzentrum Berlin zu bedenken. Solche Warnzeichen sind zum Beispiel Lähmungserscheinungen an Blase, Mastdarm oder Beinen. Dann muss nach Ansicht vieler Orthopäden operiert werden.

Krankengymnastik kommt vor Operation
"Dank der Entwicklung minimalinvasiver Techniken ist eine Operation heute kein bedrohlicher Eingriff mehr. Doch Operation bleibt Operation und sollte deshalb wohl überlegt sein", sagt Dr. Matthias Psczolla, ärztlicher Direktor der Loreley-Kliniken St. Goar. Trotz der "Schlüssellochtechnik" entstehen im Operationsgebiet Narben. Diese können mit dem umgebenden Gewebe verkleben und Druck oder Zug auf die Nerven ausüben. Das kann schließlich erneut zu Schmerzen führen. Aus diesem Grund sollten immer erst die Möglichkeiten einer konservativen Therapie ausgeschöpft werden, fordert der Orthopäde.

Im Vordergrund steht dabei die Krankengymnastik. Die Physiotherapie versucht die Beweglichkeit zu verbessern, die Rumpfmuskulatur zu stärken und die Wirbelsäule zu stabilisieren. Welche Techniken zum Einsatz kommen, richtet sich nach den Symptomen und der genauen Diagnose.

Schmerztherapie gehört zur Grundversorgung
Vorraussetzung für eine aktive Bewegungstherapie oder mehr Alltagsaktivitäten ist eine effektive Schmerzbehandlung. "Wer Rückenschmerzen hat, bewegt sich nicht gern", stellt Dr. Dietmar Krause vom DGK fest. Die Behandlung sollte die Beschwerden auf ein akzeptables Maß verringern. Deshalb muss sich der Einsatz der Medikamente nach der Intensität der Schmerzen richten, so Krause. Die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bilden dafür eine gute Grundlage.

Danach sollten leichte Beschwerden mit nicht-steroidalen Antirheumatika wie den Wirkstoffen Diclofenac oder Ibuprofen behandelt werden. Stärkste Rückenschmerzen, unter denen immerhin 500.000 Patienten in Deutschland leiden, benötigen opioidhaltige Schmerzmittel. Wichtig ist die regelmäßige Einnahme der Opioide nach einem festen Zeitplan. "Der konsequente Einsatz nach der Uhr sichert gleichmäßig hohe Wirkstoffspiegel und verhindert, dass Schmerzen erneut auftreten", erläutert Krause. Lang wirkende Präparate, die ihren Wirkstoff kontrolliert abgeben, sind deshalb erste Wahl bei Dauerschmerzen. Mit drei Tagen haben opioidhaltige Schmerzpflaster, zum Beispiel mit dem Wirkstoff Fentanyl, die längste Wirkdauer. Weil das Opioid über die Haut ins Blut gelangt, tritt Verstopfung als häufigste Nebenwirkung seltener auf.

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